Wie weiter im Bundestag? So sehen Leipziger Kandidaten das Scheitern von Jamaika

Pressebericht, Leipziger Volkszeitung, 20.11.2017

Einige Leipziger Politiker haben in Berlin die gescheiterten Sondierungen hautnah miterlebt. Andere Kandidaten wittern bei einer möglichen neuen Abstimmung eine zweite Chance. Das sagen die Leipziger Bewerber zur aktuellen Lage.

Leipzig/Berlin. So spannend war es noch nie im Leipziger Wahlkreis 153. Bei der Bundestagswahl am 24. September holte Sören Pellmann (Linke) mit gerade 1170 Stimmen Vorsprung das Direktmandat vor Thomas Feist (CDU) im Süden der Stadt. Bei einer Neuwahl ständen beide Kandidaten erneut bereit. Dass nun gerade die Liberalen aus den Sondierungsgesprächen ausgestiegen sind, wundert Pellmann nur wenig. „Die FDP vertritt die marktradikalste Fraktion der politischen Klasse. Deren rasantes Tempo beim neoliberalen Umbau der Gesellschaft konnten oder wollten die anderen Parteien augenscheinlich nicht mitgehen“, so der 40-Jährige.

Für Christdemokrat Feist hieß es nach seinem knapp verpassten Wiedereinzug in den Bundestag: Abstand gewinnen. Mit dem Scheitern der Jamaika-Gespräche habe er sich nicht befasst. „Ich habe mir in den letzten Wochen Zeit für Dinge genommen, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sind und mich zum Beispiel in den Forschungsstand zum Thema Popularmusik eingelesen“, so der 52-jährige Musikwissenschaftler. Bei einer Neuwahl würde er wieder zur Verfügung stehen.

Monika Lazar (Grüne)
zeigte sich von den geplatzten Gesprächen enttäuscht. „Wir Grüne haben bis zum Schluss intensiv und ernsthaft sondiert, auch bis hin zu unseren thematischen Schmerzgrenzen. Dass die FDP aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen die Gespräche abgebrochen hat, wirkt inszeniert, nur der eigenen Profilierung geschuldet und wird mit der Weigerung, Lösungen zu finden, der Verantwortung und dem Ernst der Situation keinesfalls gerecht.“ Über Neuwahlen wollte die 50-Jährige noch nicht sprechen.

Jens Katzek (SPD) sieht die Ära Merkel für beendet an. „Es war abzusehen, dass eine Koalition aus so unterschiedlichen Partnern nicht funktionieren kann. Es ehrt Frau Merkel, dass sie es dennoch versucht hat. Jetzt muss sie den Weg für eine Zukunft ohne sie selber frei machen.“ Gleichzeitig gibt sich der 54-Jährige angriffslustig. „Ich habe gesagt, dass ich für die Interessen der Menschen in Leipzig kämpfen will. Das will ich auch weiterhin - und werde dies auch umsetzen, wenn ich dafür das Mandat meiner Partei bekomme.“

 Siegbert Droese (AfD): „Die AfD saß bei den Sondierungsgesprächen als stiller Partner immer mit am Tisch“, ist sich der 48-Jährige sicher. Die Verhandlungspartner hätten alle Themen stets mit den Positionen der AfD abgeklopft. Nach Überzeugung Droeses hat die FDP sogar viele Positionen seiner Partei übernommen. Vor möglichen Neuwahlen hat der Leipziger keine Angst, die Umfragewerte sprächen für die AfD.

Friedrich Vosberg (FDP): „Die Kanzlerin hat nach der Bundestagswahl erst die Niedersachsenwahl ausgesessen und wollte danach auch noch die Differenzen insbesondere zwischen der CSU und den Grünen aussitzen. Das ist nicht der Politikstil, den wir Freie Demokraten wollen. Wir wollen handlungsfähige Politik, die sich auf das Machbare und Notwendige konzentriert.“ Er stehe unverändert zu seinen politischen Überzeugungen und würde erneut kandidieren.

[Quelle: www.lvz.de/]