Grüne und FDP wahlkampfbereit

Pressebericht, Lausitzer Rundschau, 06.03.2017

Sachsens Liberale und Grüne stellen sich für die Bundestagswahl auf. Die einen haben Hoffnung auf den Wiedereinzug, die anderen müssen sich nach mauen Umfragen Sorgen machen.

Frau mit Profil: Auf Platz eins der sächsischen Grünen-Landesliste steht die Leipzigerin Monika Lazar. Sie sitzt seit 2005 im Bundestag. 

Dresden/Mittweida. Bei den Grünen ist an diesem Wochenende alles verlaufen, wie erwartet. Die ersten drei Plätze ihrer Landesliste für die Bundestagswahl besetzen die Leipzigerin Monika Lazar, der Dresdner Stephan Kühn und die Chemnitzerin Meike Roden. Insgesamt hat die Liste, die die Grünen am Sonnabend im Dresdner Hygienemuseum wählten, elf Plätze. Doch halbwegs sichere Aussichten, am 24. September in den Bundestag einzuziehen, haben die ersten drei.

Der Landesverband, der großen Wert legt auf sein junges Personal und sonst mit jeder Wahl Gesichter nach oben pflügt, setzt mit der Spitzenkandidatin Monika Lazar auf eine bewährte Kraft. Die 49-jährige Bäckerin und Betriebswirtin sitzt seit 2005 für die Grünen im Bundestag. Ihre Fachthemen dort: Sport und Rechtsextremismus. In ihrer Bewerbungsrede bekannte sich Lazar zu einer "Gesellschaft, in der jeder Mensch frei entscheiden kann, wie sie oder er selbstbestimmt leben und lieben möchte". Der Rückhalt, den ihr der Landesverband dafür gibt, hätte stärker ausfallen können. Gerade 77 Prozent der Delegierten stimmten für die Spitzenkandidaten – zehn Grüne enthielten sich, 13 stimmten gegen sie.

Besser schnitt die Nummer zwei auf der Liste ab. Der 37-jährige Soziologe Kühn holte 81 Prozent der Delegiertenstimmen – obwohl er einen Herausforderer hatte. Der 53-jährige Anwalt Oliver Bittmann aus Plauen hatte mit nur elf Stimmen keine Chance gegen die geballte Stimmkraft aus dem mitgliederstarken Kreisverband Dresden. Kühn ist bereits seit 2009 Mitglied des Bundestags. Er sprach sich für einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland aus, "damit wir Vorreiter bei der Energiewende bleiben".

Auf Platz drei der Grünen-Liste versucht es die Newcomerin Meike Roden. Die 25-jährige Psychologiestudentin bekam 85 Prozent der Stimmen.

Mehr Spannung bot derweil der Parteitag der FDP in Mittweida. In der Sporthalle am Schwanenteich wählten die Liberalen ihren Generalsekretär Torsten Herbst zum Spitzenkandidaten. Der 43-jährige Kaufmann schlug zwei Mitbewerber aus dem Rennen – den Ingenieur Robert Malorny und den Hochschullehrer Thoralf Gebel. Dass das Rennen um den Spitzenplatz der liberalen Liste zwischen drei Dresdnern ausgemacht wurde, sagt einiges aus über die Stimmung in der Partei. Deren angeschlagener Landeschef Holger Zastrow zeigte sich nach der Wahl dann doch zufrieden. "Alles so gelaufen, wie ich wollte", sagte der 49-jährige Zastrow, dem seine Partei im November nicht als Direktkandidaten haben wollte.

Immerhin, Zastrows Wunschkandidat Herbst setzte sich im ersten Wahlgang mit 125 Stimmen durch – genau so viele brauchte er auch. Herbst sagte, er wolle dem Bundestag eine "freiheitliche Geisteshaltung" und eine "starke Stimme für wirtschaftliche Vernunft" zurückgeben. Dafür brauche die Partei in Sachsen aber auch "hervorragende Wahlergebnisse in Stadt und Land". Falls die Liberalen nach fünf Jahren wieder in den Bundestag einziehen, könnten zwei bis drei sächsische Abgeordnete dabei sein.

So auch der Anwalt und Ex-Justizminister von Sachsen, Jürgen Martens. Der 57-Jährige hatte für Platz zwei gleich drei Konkurrenten – er gewann im zweiten Wahlgang mit 123 von 245 Delegiertenstimmen. Platz drei erreichte der Chemnitzer Bankangestellte Frank Müller-Rosentritt.


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Beim Grünen-Parteitag stimmte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt die Delegierten mit einem Appell gegen Populismus und für eine offene Gesellschaft auf den Wahlkampf ein. "Wir stehen an einer Weggabelung", sagte sie und verwies auf US-Präsident Donald Trump, die Entwicklung in der Türkei und Differenzen in Europa.

Autorin: Christine Keilholz

[Quelle: www.lr-online.de/bundestagswahl2017]