Grüne auf Wahlkampftour im Garten

Pressebericht, Freie Presse, 02.09.2017

WAHL 2017. Die Spitzenkandidaten der Grünen, Monika Lazar und Sebastian Walter, machten Station beim Verein Procovita.



Die Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl, Monika Lazar (2. v. r.), und der Direktkandidat im Wahlkreis 164, Sebastian Walter (r.), haben den Gemeinschaftsgarten des Vereins Procovita besucht. Die Vorstandsmitglieder André Jäntsch (l.) und Sebastian Güra gaben Auskunft. Foto: Katja Lippmann-Wagner

RASCHAU-MARKERSBACH. Fast schon ängstlich fragt André Jäntsch, Vorstandsmitglied des Vereins Procovita, ob denn jemand wüsste, wie viele Leute kommen. Schulterzucken und ein legeres: „Notfalls holen wir noch einen Tisch“, bekommt er als Antwort. Unter einer Art Regenschauer hatten Jäntsch und seine Mitstreiter aufgetafelt: Tomaten, Gurken, Möhren, Paprika und Bananen liegen auf einem Teller. In einem Schüsselchen liegt eine Nussmischung. Dazu gibt es Baguette mit einer veganen Paste und Petersilie.

Die fünf Procovita-Mitglieder sind gut gerüstet und freuen sich auf den Besuch der sächsischen Spitzenkandidatin der Grünen, Monika Lazar und auf den grünen Direktkandidaten im Wahlkreis 164, Sebastian Walter. Die beiden waren am Donnerstag auf Wahlkampftour im Erzgebirge. Nach Stationen in der Rolle- Mühle in Waldkirchen und bei der Fleischerei Schaarschmidt in Annaberg-Buchholz besuchten die beiden Grünen-Politiker den Gemeinschaftsgarten in Raschau.

Der Funke zwischen Lazar und den Vereinsmitgliedern sprang sofort über. Freundliches und herzliches Händeschütteln, ganz ohne die Barriere von „Ich bin die Spitzenkandidatin, und wer seid ihr?“. Vielmehr stiegen Lazar und Jäntsch sofort in ein angeregtes Gespräch ein, das mit der Frage nach der bevorzugten Limo-Sorte begann. Lazar nimmt Stachelbeere, und Walter greift zu Rhabarber in der Glasflasche. Das Eis ist gebrochen, auchweil Lazar großes Interesse an den Themen des Vereins Procovita zeigt. Genauso wie Walter lässt sie immer wieder ihren Blick durch den Garten mit großem Vogelbeerbaum schweifen und betont, dass sie unbedingt eine kleine Führung machen will.

„Wir haben gemerkt, dass hier vieles mit der Nachhaltigkeit schiefläuft“, sagt Jäntsch über die Grundgedanken von Procovita und erklärt: „Also haben wir zunächst mit veganem Catering angefangen.“

Der Verein ist nicht nur jung an Lebensdauer, sondern auch jung im Durchschnittsalter. Die Initiative zur Gründung ging von einer Gruppe junger Leuten aus, die unkonventionelle Gedanken hatten. „Hier haben sich die richtigen Menschen zur richtigen Zeit getroffen“, sagt Lazar, und Sebastian Walter glaubt, dass es in Raschau glücklicherweise wenige Bedenkenträger gab.

Eine ähnliche Erfahrung hat Martina Colditz gemacht, die unter dem Dach von Procovita den ersten Umsonst-Laden in Raschau eröffnet hat. „Das war irgendwie immer mein Traum“, sagt sie. Sie habe gewusst, dass solche Konzepte in der Stadt funktionieren, auf dem Land aber eher skeptisch gesehen werden. Doch die Skepsis wich, und mittlerweile hat der Umsonst-Laden zweimal in der Woche geöffnet.

Am Anfang habe sie sich manchmal gefragt, ob die Menschen wirklich alles brauchen, was sie mitnehmen“, erzählt Colditz. „Mittlerweile hat sich das eingepegelt, auch ohne dass wir es beschränkt haben.“ Der Umsonst-Laden leiste einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit. „Unser Ziel ist es, das Wegwerfen einzudämmen“, sagt Martina Colditz.

Bei der Tour durch den Gemeinschaftsgarten zeigen die Mitglieder, dass sie das auch vorleben. Ein altes Klettergerüst wurde zum Grundgerüst eines Gewächshauses und dient auch noch als Rankhilfe.

Lazar und Walter erfahren, dass der Verein auf Hochbeete setzt, dass die Kürbisse wunderbar gedeihen, an einem Schuppen sogar Wein wächst, und dass man manches ausprobiert, ohne zu wissen, ob es tatsächlich funktioniert. „Das sieht schon richtig gut aus“, sagt Lazar immer wieder und bestaunt auch den schwer tragenden Vogelbeerbaum. Es ist zu merken, dass sich die Grünen- Politikerin nur schweren Herzens von den Procovitas trennt. Sie hinterlässt ihr Visitenkärtchen und bietet Hilfe bei Problemen und auch beim Anzapfen verschiedener Fördertöpfe an.

Die letzte Station der Wahlkampftour am Donnerstagabend ist Schwarzenberg. Dort trifft man sich zu einer Podiumsdiskussion mit Katja Kipping (Linke) und Susann Rüthrich (SPD). Dazu hatte der Verein Agenda Alternativ eingeladen.

Autorin: Katja Lippmann-Wagner

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